• Eva Harmeling Content Creator Eva Harmeling
  • 22.12.21
  • 7 Minuten Lesedauer

Debitkarte vs. Kreditkarte: Welche Lösung ist für Ihr Unternehmen sinnvoll?

Debitkarte

Es ist nur ein kleines Stück Plastik (und bei manchen Lösungen nicht einmal das, Stichwort: virtuelle Karten) – und doch kann man sich einen Alltag ohne Bezahlkarten nur schwerlich überhaupt noch vorstellen. Schließlich ermöglichen sie sowohl Flexibilität als auch schnelle Handlungsmöglichkeiten, die man mit Bargeld und Rechnungskauf kaum nachahmen könnte. Das gilt sowohl im Einzelhandel als auch online. Besonders im Business ist die Möglichkeit, mit Karte zu bezahlen, essentiell für einen reibungslosen Ablauf ohne viel zeitaufwendiges Drumherum.

Dabei können Sie für Ihr Unternehmen frei zwischen Debitkarten und Kreditkarten, bei Bedarf sogar Prepaidkarten, wählen – und sich und Ihren Mitarbeiter:innen so ein Stück Unabhängigkeit schaffen:

  • Das Geschäftsessen oder ein Kaffee mit Kund:innen können so problemlos bezahlt werden.
  • Mitarbeiter:innen können benötigte Einkäufe – natürlich nach Freigabe durch den:die Vorgesetzte:n – tätigen, ohne Geld vorstrecken zu müssen. Besonders bei teureren Anschaffungen wie Hardware für den Computer ist das eine Erleichterung.
  • Alle Ausgaben sind mit Kartenzahlung übersichtlich auf Kontoauszügen gelistet – so muss niemand mehr rätseln, für was das an diesem einen Donnerstag im vergangenen Monat abgehobene Bargeld verwendet wurde.

Der vordergründige Nutzen der Debitkarten und Kreditkarten bleibt der gleiche. Sie können bargeldlos und ohne Vorkasse oder Rechnungskauf zeitnah Einkäufe tätigen. Der sogenannte Flow of Funds unterscheidet sich aber von Debitkarten zu Kreditkarten und kann ein wichtiges Entscheidungskriterium sein, für welche Art Bezahlkarten man sich entscheidet. Genau diese Frage stellen Sie sich als Finanzbeauftragte:r vielleicht in diesem Moment: Welche Karte ist für mein Unternehmen die richtige Lösung?

Das ist der Unterschied zwischen Debitkarten vs. Kreditkarten

Auf den ersten Blick sehen die Debitkarten (in Deutschland im Sprachgebrauch von Konsumentenseite auch oft einfach nur Girocard oder EC-Karte genannt) und Kreditkarten nicht groß unterschiedlich aus. Besonders in anderen Ländern haben auch Debitkarten die für Kreditkarten typische Prägung der Kartennummer und sind so nur durch die klein gedruckten Wörter „Debit“ oder „Credit“ voneinander zu unterscheiden. Für den:die Karteninhaber:in gibt es aber wesentliche Unterschiede, wenn es um den Geldfluss (Flow of Funds) geht – also wann abgebucht wird:

Während bei der Debitkarte die Bezahlung direkt ohne zeitliche Verzögerung über das dazugehörige Konto erfolgt, liegen bei der Kreditkarte zwischen Bezahlung (also in diesem Fall der Aufnahme eines Kredites bei dem Bankinstitut, das die Karte ausstellt) und der Begleichung dieses Kredites Tage bis Wochen. Der übliche Abrechnungszeitraum bei einer Kreditkarte ist monatlich, dann wird der Betrag entweder direkt vom verknüpften Konto eingezogen oder muss überwiesen werden.

Und welche Bezahlkarte ist nun die richtige für Ihr Unternehmen?

Das spricht für eine Debitkarte:

Wenn Sie diese Fragen ganz deutlich mit „Ja“ beantworten, sind Debitkarten für Ihre Firma sinnvoll:

  • Sie zahlen lieber direkt, haben dafür aber die volle Kontrolle über Ihre Kosten?
  • Sie möchten zu jeder Zeit den Überblick über Ihre Ausgaben haben?
  • Sie möchten kein Risiko eingehen und immer im Rahmen Ihrer finanziellen Möglichkeiten bleiben?
  • Sie möchten direkt mit dem Bezahlen via Debitkarte loslegen und haben keine Zeit für oder Lust auf einen längeren Registrierungsprozess zur Kreditwürdigkeit?

Das spricht für eine Kreditkarte:

Gleiches Spiel: Sollten Sie eine Kreditkarten-Lösung innerhalb Ihres Unternehmens andenken, können diese Fragen Ihnen bei der Entscheidung helfen:

  • Sie möchten den zeitlichen Disconnect zwischen Zahlung und Settlement nutzen, um Ihren Cashflow zu optimieren?
  • Je nach Kreditkarte und Anbieter müssen Sie ggf. Zinsen zahlen. Für Sie sind die eventuell anfallenden Zinsen der Transaktionen oder nicht rechtzeitig beglichener Kredite fester Bestandteil Ihres Businessplans und keine böse Überraschung?
  • Sie erwarten Ihren Cash Inflow erst zu einem späteren Zeitpunkt und möchten somit auch die Ausgaben nach hinten schieben?
  • Sie haben die Zeit, um auf die Prüfung Ihrer Kreditwürdigkeit zu warten, bevor Sie die Kartenzahlung in Ihrem Unternehmen etablieren wollen?

Eine Kreditkarten-Lösung kann also sinnvoll sein, wenn Ihr Unternehmen viele Ausgaben hat, Ihr Cash Inflow sich aber gerne einmal verzögert. Das könnte etwa der Fall sein bei produzierenden Firmen, die Ausgaben haben, weit bevor sie ihr Produkt verkaufen können. Zusätzliche Ausgaben können dann über eine Kreditkarte getätigt werden, um das aktuelle Budget zu entlasten – diese Strategie bietet nach hinten raus aber die Gefahr eines Liquiditätsengpasses. Die Entscheidung für eine Kreditkarten-Lösung bietet also erst einmal Freiheiten, denn so können Sie den Zeitpunkt des Cash Outflows nach hinten schieben und ihre liquiden Mittel zeitweise vergrößern. Diese Zeitverzögerung birgt aber auch ein gewisses Risiko. Man sollte also zu jedem Zeitpunkt seine Liquiditätsplanung gut im Blick haben.

„Grundsätzlich gilt: Eine Kreditkarte zeugt davon, dass der Karteninhaber vertrauenswürdig ist – immerhin wird ihm bereits Kredit gewährt. Das ist ein gutes Zeichen für alle Beteiligten, zum Beispiel für andere Verkäufer.“

– Lars Markull von Weavr

Wo liegen die Vorteile einer Debitkarte gegenüber einer Kreditkarte?

Betrachtet man diese finanziellen Fallstricke einer Kreditkarte, erscheinen Debitkarten also erst einmal als „sichere“ Lösung. Das Schuldenrisiko wird mit einer Debitkarte verringert und die Anforderungen an den:die Karteninhaber:in sind geringer als bei einer Kreditkarte. Zudem bleiben gerade Start-ups am Anfang gar keine anderen Optionen. Selten werden sie bereits als kreditwürdig eingestuft und können so gar keine Kreditkarten beantragen.

Übrigens: Den sogenannten KYB-Prozess (Know Your Business) müssen Unternehmen sowohl für Debitkarten als auch für Kreditkarten durchlaufen. Der KYB-Prozess ist eine gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme, um Geldwäsche und Betrug vorzubeugen. Hier muss ein:e Verantworliche:r Fragen über das eigene Unternehmen beantworten und sich so verifizieren – dazu zählen etwa Auskünfte über die Art der Branche, des Businesses, Gesellschafter:innen und Finanzkennziffern.

Welche Nachteile haben Debitkarten?

Der größte Nachteil einer Debitkarte gegenüber einer Kreditkarte ist die Unmittelbarkeit der Zahlung. Das Konto muss daher immer ausreichend gedeckt sein, um Ausgaben tätigen zu können. Wer als Unternehmen also gerne mehr Spielraum zwischen Anschaffungen und Zahlung hat, dürfte mit einer Kreditkarte besser beraten sein. Hinzu kommt, dass besonders bei Interneteinkäufen gerne die Daten einer Kreditkarte gefragt sind. Eine Zahlung mit Debitkarte ist online nicht möglich, so lange sie nicht über Visa oder Mastercard ausgestellt wurde – alternativ gibt es die Optionen Vorkasse oder Rechnungskauf (oder ein Online-Bezahldienst wie Paypal), bei denen das Konto bereits mit Tätigung des Kaufs belastet wird.

Spannender Input: So verdienen Kreditkarten-Institute wie Visa und Mastercard Geld mit Transaktionen über ihre Karten

Debitkarten und Kreditkarten als Teil eines ganzheitlichen Finanzbetriebssystems

Egal, für welches Kartenmodell Sie sich innerhalb Ihres Unternehmens entscheiden (vielleicht wird es ja auch eine Mischform): Das volle Potenzial von sowohl Business-Debitkarten als auch -Kreditkarten lässt sich ausschöpfen, wenn Sie Ihre Ausgaben direkt monitoren können. Etwa weil die Transaktionen über Bezahlkarten gleich an ein Budget geknüpft sind und so ein Rahmen für Ausgaben gesetzt werden kann. Auch virtuelle Karten können über ein Finanzbetriebssystem erstellt werden – so kann jeder Mitarbeitende, der eine virtuelle (ggf. einmalige) Karte zugewiesen bekommt, unabhängig und zeitnah Einkäufe tätigen. Und das ganz ohne, dass zahlreiche Plastikkarten ausgestellt werden oder die einzige Firmenkreditkarte herumgereicht werden muss (das erleichtert auch die anschließende Buchhaltung – Schluss mit kryptischen Abrechnungen ohne klares Ownership für Ausgaben!).

Ein ganzheitliches Finanzbetriebssystem stellt zudem Prognosen über die voraussichtlichen Ausgaben auf, indem es Zahlungen über Kreditkarten berücksichtigt und als Teil des Cash Outflows abbildet. Mit einem dynamischen Liquiditätsmanagement-Tool, das geplante Einnahmen ebenso wie tagesgenaue Ausgaben vereint, haben Sie Ihren Cashflow immer im Blick und können das Risiko von Schulden durch Kreditkartenzahlungen minimieren.